Gast-Post: Mit zwei Händen.

Hallo alle zusammen, ich bin Svenja, 23 Jahre alt und schon seit längerem Leserin von A red apple. Heute dürft ihr hier meinen Gastpost lesen. Eigentlich schreibe ich bei L’inutile (http://linutilecologne.blogspot.com), zusammen mit einer ganz lieben Freundin über Mode, Kunst und das Selbstmachen. Darüber möchte ich heute auch schreiben.

Als Kind hatte ich viele Träume und Pläne wie meine Zukunft aussehen soll, neben dem obligatorischen Traummann, den 2 Traumkindern und dem Traumhaus, wollte ich zeitweise Lehrerin, Goldschmiedin, Feuerwehrfrau, Geheimagentin, Architektin oder Vulkanforscherin werden. Um es gleich vorweg zu nehmen, mit keinem dieser Berufe verdiene ich heute mein Geld .

Nach dem Abi habe ich eine Ausbildung zur Maßschneiderin gemacht und studiere jetzt Bekleidungstechnik. Komisch nur das dieser Berufswunsch nie auf meiner Liste stand und doch war er immer das was ich wollte. Rückblickend betrachtet erscheint alles so klar, die vielen Bettlaken die ich Mama aus dem Schrank geklaut habe und mit Schere und Tacker in wilde Kreationen verwandelt habe. Die Legokleidchen die ich aus Stoffen von alten Musterbüchern zusammengeklebt habe und nicht zuletzt mein eigenwilliger Modegeschmack, der schon in Kindertagen ausgeprägt war.

Heute kann ich sagen: ich bin angekommen, ich mache genau das was ich liebe und wozu ich geboren wurde und ich glaube es gibt nicht was ich besser kann. Etwas mit meinen Händen zu schaffen, nicht nur beim Nähen, sondern auch beim Stricken, Häkeln, Basteln oder Backen ist für mich wie eine Therapie, es beruhigt mich, entspannt mich, erfreut mich. Abends wenn ich ins Bett gehe, weiß ich was ich tagsüber geschafft habe, ich halte es in meinen Händen, es kleidet und schmückt mich, oder zaubert einem Beschenkten ein Lächeln ins Gesicht.
Wenn man mich fragt warum ich mich für den Beruf der Maßschneiderin entschieden habe, obwohl man kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat und nur einen Hungerlohn verdient, dann antworte ich immer: Nähen ist für mich wie Atmen, nimmt man mir die Nadel aus der Hand, dann nimmt man mir mein Lebenselixier.

„Selbstmachen“ ist ein Ausdruck meiner Identität, meiner Persönlichkeit, es hilft mir mich frei zu entfalten und ohne meine Handarbeit wäre ich nicht die Person die ich heute bin. Mit Freude sehe ich, dass immer mehr Menschen meiner Generation den Weg zurück zur Handarbeit finden. Ich finde es toll wenn junge Leute der H&M-Uniformierung den Rücken zuwenden und nach ihrem eigenen Weg suchen, sei es indem sie anfangen selbst Hand anzulegen oder über Portale wie etsy und dawanda junge Handwerker und Designer unterstützen.
Man kann nur glücklich werden indem man seinen eigenen Weg selbst gestaltet.

 

 

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