Der Winterblues

Endlich ist der Winter nach Köln gekommen, danach habe ich gar nicht geglaubt. Weihnachten zum Beispiel saß ich ohne Jacke auf der Terrasse und habe traurig auf die schneelose Landschaft geschaut.

Am Wochenende hat es nun das erste Mal geschneit, aber ich möchte diesmal nicht schicke Schneebilder mit unberührter Landschaft zeigen, sondern als der erste Schnee fiel ist mir aufgefallen, dass er mal wieder auch bei mir angekommen ist: Der Winterblues.

Kurz nachdem wir aus dem Urlaub gekommen sind, ist es mir aufgefallen. Dinge fallen mir schwerer, ich bin in allem etwas langsamer und alles wird begleitet von der schrecklichen Traurigkeit, die aber grundlos da zu sein scheint. Ich bin ungeduldiger, schneller erschöpft und alles in allem etwas mehr in mir gefangen. Am liebsten bin ich alleine und weil das nicht möglich ist, versuche ich die Tage rumzukommen, bis es besser wird.

Abends möchte ich so gerne mal in mein Arbeitszimmer gehen, aber wenn ich gekocht, Tisch gedeckt, Tisch abgedeckt und Johann fertig gemacht habe, lege ich mich meistens mit ihm ins Bett und schlafe mit ein. Am nächsten Morgen bin ich dann sauer auf mich, weil ich meine Prioritäten schon wieder aufs Schlafen gelegt habe.

Wahrscheinlich geht es ganz vielen Müttern so. Ich erkläre mir es immer so, dass man zu viel schaffen will und sich selber zu sehr unter Druck setzt. Und ja, vielleicht mache ich das.

Aber ich bin halt nicht nur Mama.

Ich definiere mein Leben nicht nur über Johann, nein, sowas tut weder mir noch Johann gut. Ich brauche meine Zeit für mich in der ich nähen, arbeiten oder feiern gehen kann. Und wenn ich das dann ohne Kind mache, möchte ich gerne auch mal als Nora wahrgenommen werden und nicht nur als Johann´s Mama. Neulich waren wir auf einer Party und nach dem dritten mal, als ich angesprochen wurde mit “Hallo Nora, wie geht es Johann?”, da frage ich mich ernsthaft, ob ich noch als eigenständiger Mensch wahrgenommen werde. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich einfach unsichtbar geworden bin für alle außer meiner Familie. Aber das ist nun auch ein ganz eigenes Thema, dem ein ganzer Post gewidmet werden kann.

Alles in allem liegt das Problem vielleicht auch daran, dass man ständig ein schlechtes Gewissen hat – und zwar wirklich immer und ständig; Wenn ich arbeiten gehe habe ich ein schlechtes Gewissen, dass ich Johann bis halb 4 in der Kita lasse, wenn ich zu Hause mal die Hausarbeit machen muss habe ich ein schlechtes Gewissen, dass ich nicht mit ihm spielen kann, wenn ich ihn nicht ins Bett bringe, habe ich das Gefühl, dass er vielleicht traurig sein könnte, wenn Felix nach Hause kommt und mir bei irgendwas hilft habe ich ein schlechtes Gewissen, dass er den ganzen Tag arbeiten geht und mir dann noch helfen muss und wenn ich ausgehe, habe ich beiden gegenüber ein schlechtes Gewissen.

Der einzigen Person, der gegenüber ich nie ein schlechtes Gewissen habe, bin ich. Aber vielleicht hätte ich es mal haben sollen, denn vielleicht kann man dann diese Phasen der absoluten Traurigkeit und Erschöpfung vermeiden.

Es gibt Freunde, die kommen zu mir sagen: “Du interessierst dich gar nicht mehr für mich/mein Leben/unsere Freundschaft/meine Kinder”. Das stimmt nicht. Ich interessiere mich sehr wohl dafür, aber wie kann ich denn auch noch diese Interessen vor das Interesse für mich selber stellen? Wie kann ich ständig schauen, dass es allen anderen gut geht, wenn ich einfach so müde bin?

Morgen habe ich einen halben Tag frei und meine Eltern nehmen Johann nach dem Kindergarten. Morgen setze ich mich in mein Arbeitszimmer und mache schöne Sachen  – oder schau ein wenig fern. Oder ich mache ein Mittagsschlaf und lese ein Buch. Um in den Zeiten der Stille noch ein bisschen mehr Ruhe in mein Leben zu bringen. Ich mache morgen etwas, was mich glücklich macht. Und dann versuch ich das auf meiner Prioritätenliste nach oben zu stellen.

Um eine bessere Mama zu werden. Und auch eine besser Freundin.

Xoxo, nora.

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