Lieber J.

ich glaube, langsam wird es eng für dich im Bäuchle. Du schlummerst schön den ganzen Tag und bist etwas ruhiger geworden.
Wenn du dich bewegst, trittst du immer liebevoll gegen die Blase. Es gibt schöneres, aber ich wußte ja, dass das so kommen wird.

Noch 2 Tage müssen wir beide arbeiten, dann habe ich Zeit, mich ganz und gar auf dich zu konzentrieren. Und auf die Gestaltung deiner kleinen Ecke in unserem Schlafzimmer.

Es ist schon komisch, hier von der Arbeit wegzugehen, aber ich glaube, das ist langsam besser für dich. Und auch für mich. Das ist schon anstrengend, den ganzen Tag zu sitzen und sich zu wenig zu bewegen. Dir gefällt das auch wirklich gar nicht, das merke ich.

Eigentlich wollte ich morgen Abend noch mit dir und den liebsten Menschen was trinken gehen, als krönenden Abschluss, aber irgenwie funktioniert das nicht, weil einige nicht können. So werden wir morgen wahrscheinlich – so wie jeden Abend – häkeln und vielleicht einen guten Film schauen. Das ist auch schön, nur halt nicht das, was ich mir für mich vorgestellt habe.
Aber auch das ist eine Vorbereitung auf das, was da kommen wird. Ich denke, mit Planung und Vorstellung kann ich mich die nächsten 2 Jahre mal schön zurückhalten, weil eh alles anders kommen wird, als ich denke.

Ich habe mich gestern mit einer Arbeitskollegin über deine Geburt unterhalten und wie ich mir das vorstelle. Wenn ich ehrlich bin, habe ich mir darüber noch gar keine Gedanken gemacht. Wir haben uns zwar schon ein Krankenhaus ausgesucht, aber ob ich nun eine Wasser- Bett-, oder was auch immer für eine Geburt haben werde, darüber habe ich noch nicht nachgedacht.

Du wirst deinen Weg auf diese Welt finden. Und weißt du was? Ich werde mich da einfach mal ganz spontan nach dir richten.
Meine Frauenärztin sagte zu mir, dass es manche Menschen beängstigt, über ihre bevorstehende Niederkunft nachzudenken und genauso geht es mir auch. Ich wache nachts oft völlig pansich auf und habe totale Angst vor dem allem, was kommen wird. Dabei sollte ich einfach mal mehr auf meinen Körper hören, ich meine, wir beiden sind ja nicht die ersten Menschen der Welt, die das schaffen müssen.

Morgen früh haben wir beide wieder einen Termin bei der Ärztin und ich hoffe, sie kann mich noch mal beruhigen, was deinen Nierenstau angeht. Ich hoffe so sehr, dass du ein gesundes, kleines Baby bist.

Diese Sorge, die man verspürt, wenn etwas nicht in Ordnung ist, kannte ich bis dato nicht und meine Mama sagte mir, diese Sorge wird niemals aufhören. Niemals.
Na, ich habe mir ja schon gedacht, dass es ein emotionales Chaos wird, aber so?

Kleiner Mann, die einzigen Gedanken, die ich letzter Zeit fassen kann, sind Gedanken an dich. Ich stelle mir immer vor, wie es mit dir sein wird, wie unsere Bindung sein wird und wie dein Wesen ist.

Ich bin so gespannt auf dich. Und ich kann es einfach nicht fassen, dass ich dich in 9 Wochen kennenlernen werde.
Ich habe gemerkt, dass ich schwanger bin, da war ich 5+6 und seitdem haben dein Papa und ich immer in „Tatorten“ gerechnet. Als er meinte: “ Hey, nur noch 32 Tatorte, dann ist der Wurm da“, da war das SO weit weg. Und nun ist das auch schon 23 Wochen her und kommt mir vor wie gestern.

Wenn ich darüber nachdenke, ist für mich diese Schwangerschaft vorbeigeflogen. Auch, wenn alle sagen, dass gerade die letzten Monate sich ziehen wie Kaugummi, habe ich immer das Gefühl, ich habe zu wenig Zeit für zu viel zu tun.

Naja, ich glaube, man kann auch einfach nicht vorbereitet sein. Niemals.

Wie dein Papa mal sagte: Es ist nie der richtige Zeitpunkt. Und trotzdem ist jeder Zeitpunkt perfekt. Und so wird es auch mit deiner Ankunft sein.

Ich freu mich so auf dich, kleiner Mann.

Ich denke an dich jeden Tag, in jeder Sekunde.

Deine Mama.

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