Frohe Weihnachten

Nach diesem Jahr ist das Wort “froh” eher in den Hintergrund getreten. Ebenso bei mir. Ich erfreue mich immer noch daran, in Gesellschaft meines Sohnes TV zu schauen, aber auch er wird müde und verlangt nach mehr.

Was sollte dieses “mehr” denn sein?
Ich weiss es! Essen gehen, Freunde sehen (und zwar mehr als einen zur gleichen Zeit), in den Urlaub fahren, Bier trinken am Brüssler Platz, mit dem (noch nicht vorhandenen Freund) Sterne schauen und danach zurück zur Party zu gehen, in den Urlaub fahren, seine Eltern, Großeltern, Großgroßeltern und alle Lieben zu treffen.

Und ich mache es ganz ganz kurz. All das und viel mehr sollte im nächsten Jahr passieren.

Keiner sollte unglücklich sein für das, was passiert ist, denn es hat uns was genutzt. Wir hatten Zeit mit den Mitbewohnern, Kindern, Nachbarn, der Kernfamilie oder dem Partner.

Es war oft schön, viele haben sich gefunden und weiter geliebt (wie meine Eltern) – und es hat sich das Spreu von Weizen getrennt.

Ich persönlich möchte dieses Jahr auf keinen Fall wiederholen, mir hat es –trotzt dem besten Arbeitgeber der Welt – zu viel Schmerz bereitet.

Aber ich wünsche frohe Weihnachten. Schaut euch alle “Tatsächlich Liebe” an (bester Film ever) und denkt drüber nach, was “Liebe” bedeutet.

Und dann hoffe ich, ihr habt schöne Festtage und genießt alles, was euch die Pandemie gelassen hat.

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Muskelkater vom Liebeskummer

Wie ist das eigentlich, warum sagt man “Herzschmerz”?
In all den schlaflosen Nächten liegt man da und fragt sich, warum ein Herz wehtun kann. Am Ende des Tages ist es ein Muskel – aber stimmt das? Ist das Herz, das Organ, was uns am Leben hält nicht wirklich auch das, was zu dem macht, was wir sind?

Man stelle sich vor, dass jeder Mensch von Geburt an ein “ganzes Herz” hat. Und dann kommt der schrecklich schöne Tag, an dem es anfängt, schneller zu klopfen, vielleicht ein oder zwei Sprünge zu machen und eventuell auch einen Salto – und dann? Dann ist das Kind in den Brunnen gefallen und man ist bis über beide Ohren verliebt. Nun stehst du da mit den ganzen Gefühlen und dein Herz wird größer und größer und dehnt sich aus, denn sonst hätten all diese Gefühle ja gar kein Platz in deinem Herzen, was bisher nur einem selber gehört hat.

So läuft man nun rum. Mit einem Herz, zum Bersten gefüllt und wartet auf den Tag, den Freiheitsschlag, an dem man endlich ein Stück davon hergeben kann, denn das ist alles, was man will, ein Stück von sich selber verschenken.

Dann kommt der große Moment, so lange herbeigesehnt, man schneidet einen großen Teil von seinem ganzen Herzen, was man immer für sich behalten wollte ab, macht sich verwundbar und präsentiert die pulsierende Hälfte auf einem Silbertablett. Das Gegenüber, selig gerührt von so viel Zuneigung wird wahrscheinlich nicht nein sagen und nimmt dieses vorschnelles Geschenk gerne an.

Und nun beginnt das Dilemma. Sobald das Herz aus deinen Händen ist, sorgt man sich darum. Wird es ihm gutgehen in den anderen Händen? Wird es verletzt werden? Wie kann man eigentlich mit einem halben Herzen leben?
Irgendwann beruhigt man sich, es wird ruhig im Kopf, die Sorgen verschwinden ganz langsam. Dem Herz scheint es gut zu gehen und zusammen mit dem Schlüssel zu einer anderen Wohnung bekommt man auch noch ein halbes Herz von dem Besitzer des eigenen halben Herzens geschenkt. Also warum sich weiter Sorgen machen? Deine Hälfte ist zwar weg, aber man hat ja schließlich ein äquivalentes Gegenstück gereicht bekommen. Langsam, ganz langsam wachsen der Teil, der einem geschenkt wurde und der andere zusammen, an der Stelle, wo man es selber abgeschnitten hast. Die Narbe ist klein, denn die Stücke passen einfach perfekt zusammen.

So könnte man sich ein schönes Leben vorstellen, nicht wahr? Jeder hat die Hälfte des anderem, das euch zu einem ganzen macht.

Leider ist es nicht immer so.

Bei jeder Trennung wird zuerst der Schlüssel zurückgegeben. Man möchte nicht mehr, dass der andere Zutritt zu seinem persönlichen Hab und Gut hat. Man möchte nicht, dass etwas verschwindet, man möchte jemand ausschliessen, ganz weit weg, nicht nur aus seiner Wohnung, auch aus seinem Leben.

Den Schlüssel in der Hand fragt man sich dann “und was ist mit dem Herzen?”. Man hat nicht gemerkt, dass sein Herz schon ganz ganz klein geworden ist, weil nach und nach kleine Stückchen wieder zurückgefordert wurden, immer weiter, wie von einem Steak, was innen roh ist und man erst rundherum in kleinen Scheiben abschneidet, weil man eigentlich rohes Steak nicht mag.

In den meisten Fällen geht es aber dann ganz schnell. Das Gegenüber hat seinen Schlüssel zurück, Zack, Fleischerbeil durchs Herz und schnell das mitnehmen, was einem gehört.
“Gib mir meins zurück, hier hast du deins, ich schmeiss es dir vor die Füße, ich möchte es eh nicht mehr.”

Ratlos und halbherzig steht man dann da, mit einem benutzen, schmutzigen Teil seines Herzens, voller Erinnerungen, denn es war ja lange nicht sein Eigenes und einem blutigen, kümmerlichen Stück Herz in der Brust.

Aber weil man weiß, dass man so sowieso nicht weitermachen kann, nimmt man den armen, halben Teil, legt es ein in Tränen und Alkohol, damit es sich mal kurz erholen kann, sich säubern kann und die Erinnerung rausgespült werden kann.

Und dann, ganz langsam, ganz langsam, fängt man an, sich um selber zu kümmern. Die große Fleischwunde in der Brust tut so weh, dass das Atmen schwerfällt und wie eine pulsierende Wunde zuckt es immer wieder bei der kleinsten Berührung zusammen. Das hält man aus.

Erst Stunden, dann Tage. Zuerst erträgt man alles nur und dann, langsam, ganz langsam bildet sich eine Kruste, die zwar noch weich ist, aber wenigstens den Schmerz etwas eindämmt. Und so geht es weiter, man geht wieder seinem normalen Leben nach, man isst, man trinkt, geht arbeiten und irgendwann merkt man, dass einem etwas fehlt, dass man nicht mehr so ganz komplett ist – wie auch?

Ein halbgeheiltes halbes Herz macht ein Leben nicht wirklich schön, ständig will man die andere Hälfte mit etwas ausfüllen, was aber nicht so richtig darein passt.

Also nimmt man das große Einmachglas, schüttet den Alkohol und die Tränen weg und legt sein altes, verschenktes Herz an das, was grade heilt und hofft, dass das Aufbrechen der Kruste nicht ganz so weh tut, denn man rechnet schon wieder damit. Damit, dass es Blut und Tränen und sehr viel Schmerz geben wird.

Und dann passiert das, was völlig unvorhersehbar war; man kann endlich durchatmen. Das Herz schlägt endlich im richtigen Takt und man ist so erleichtert, denn die Herzteile passen noch zueinander. Durch das ganze Durchspülen sind die Erinnerungen ganz weich, fast schon aufgelöst und man hat das zurück, was man so sehr vermisst hat: Sein ganzes Herz, sein ganzes Leben.

Die Narben sind da, aber man kann sich sicher sein, dass das Herz an dieser Stelle stärker zusammenhalten wird.

Vielleicht wird das Herz wieder groß werden, so groß, dass man einen Teil von ihm verschenken möchte – aber der Muskel ist grade so verkrampft, Muskelkater vom Liebeskummer, dass das Herz erst einmal zu Hause bei einem selber bleiben muss.

Alleine mit einem, seinem ganzem Herzen.

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Let it hurt – and then let it go

So oder so ähnlich verlaufen meine Tage zurzeit.
Nachdem ich mich hier so lange nicht zu Wort gemeldet habe, tue ich es nun mit dem festen Entschluss „back tot he roots“ zu gehen und das zu tun, was mir guttut. Kreativ sein und schreiben.
Mein Leben war die letzten 9 Monate alles außer langweilig. Ich hatte einen neuen Freund, ich war im Himmel und leider habe ich auch der emotionalen Hölle den ein oder anderen Besuch abgestattet.
Und seit letzem Samstag gibt es nur eins: Stille.

Wann diese Stille sich in meinem Kopf und meinem Herzen breitmachen wird, das weiß ich nicht, jedoch sehne ich mich sehr danach.

Liebeskummer ist ein Arschloch. So ein großes Arschloch, dass man ihn einfach nur hassen kann. Er sitzt wie ein großer, zotteliger, tollwütiger Bär in deiner Brust und nimmt all den Platz ein, den man jetzt eigentlich bräuchte, um zu heilen.

All die guten Ratschläge wie „Sieh das doch mal positiv, jetzt beginnt etwas Neues, Gutes“ mögen stimmen und sind sicher wahr. Aber sie kommen einfach nicht sofort und bis dahin tut es weh. Es tut weh, wenn man aufsteht, wenn man ein Brot isst, wenn man zur Arbeit fährt und wenn man heimkommt. Manchmal tut es auch unter der Dusche weh und dann, ganz selten, erlaubt man sich genau da ein Tränchen zu vergießen.
Und dann, als ob ein anhaltendes Wehtun nicht genug wäre, kommt ein Schuss aus dem Nichts und versetzt einem einen extragroßen Schmerz.

Während man gegen Übelkeit, Kopfschmerzen oder Zahnschmerzen medizinische Hilfe leisten kann, ist das einzige Medikament bei Liebeskummer die Zeit.
Und nun, als ob das alles nicht blöd genug gelaufen ist, ist die Zeit auf einmal nicht mehr das, was sie einmal war. Die Nächte dauern viermal so lang, vor allem, wenn man nicht schlafen kann. Jeder schöne Moment, den man sich, trotz des angeschossenen Herzens selber erlaubt zu genießen, geht viel zu schnell vorbei. Und eigentlich ist es doch das, wonach das Herz hungert: schöne Momente, die einen kurz vergessen lassen, was passiert ist und – was viel tragischer ist: Was nicht passiert ist. Denn die Menschen neigen dazu, in Beziehungen Pläne zu machen.
Die Vorweihnachtszeit, Weihnachten, Silvester und der nächste Urlaub. Und wenn eine Beziehung zerbricht steht man meist alleine mit einem vollen Terminkalender da; Herzlichen Glückwunsch!

Ich als weites gehend positiver Mensch versuche, Gutes in all dem zu sehen. Es gibt gute Dinge an dieser Trennung, das steht außer Frage – nach ein paar Tagen Abstand sehe ich das nun klarer. Unklarer hingegen ist zurzeit die Verbindung zwischen Kopf und Herz, denn mein Herz scheint grade auf Durchzug zu schalten, wenn es nur noch einen gut gemeinten Tipp vom Kopf bekommt. Manchmal ist es richtig wütend und stapft wie ein trotziges Kind auf. Aber nach Samstag hat mein Herz nicht mehr viel zu sagen was das angeht. Zu oft hat es mich in eine Position begeben, in der ich mich nicht zurechtgefunden habe, weil ich als positives Individuum ironischerweise auch ziemlich naiv bin. Ich versuche wirklich immer das Beste im Menschen zu sehen und den Menschen zu vertrauen und glauben. Dieses Mal hat mein Herz aber übertrieben.

Es ist auf keinen Fall so, dass ich unfehlbar bin, um Gottes Willen. Ich bin schwierig, meine Freunde bezeichnen das gerne als Herausforderung.
Ich bin launisch und ich bin manchmal schlecht gelaunt, ich bin aber auch sehr oft gut gelaunt. Meistens, wenn man es genau nimmt.
Was ich aber nicht wirklich bin ist stressresistent und genau diese fehlende Eigenschaft hat mir am Ende fast das Genick gebrochen.

Nachdem ich nämlich immer versucht habe, mir alles schönzureden, hat mein Körper wohl irgendwann gedacht: „Äh, samma, geht´s noch?“ – und ab da wurde es wirklich anstrengend. Schlafstörungen, Magenschmerzen und Nervenschmerzen gehörten irgendwann zu meinem normalen Tagesablauf, wie ungebetene Gäste, denen man sich nicht traut, den Weg nach draußen zu zeigen.
Und frei nach dem Motto: „Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo noch mehr Scheiße her“, hat sich mein Körper bereit gemacht für den großen Showdown: Nierenkoliken.
Wikipedia beschreibt die Symptome so:„Krampfartige Schmerzen im Bereich der betroffenen Niere, oft in alle Richtungen am Rücken ausstrahlend, in aller Regel einseitig. Bei erstmaligem Auftreten kann man selbst nicht erkennen, dass der Schmerz von der Niere ausgeht. Starker bis unerträglicher Schmerzcharakter. Mitunter dabei Schweißausbrüche und Erbrechen. Meistens blutiger Harn. Typisch sind Phasen mit starken Schmerzen im Wechsel mit beschwerdefreien Zeiten, allerdings kann der Schmerz auch dauerhaft die gleiche Intensität aufweisen. Eine akute Kolik ist besonders unangenehm und wird oft als eine der stärksten Schmerzempfindungen beschrieben, die Menschen fühlen können“

Leider hatte ich bei der Symptomatik keine beschwerdefreie Zeit, so dass das für mich tatsächlich das Schlimmste war, was ich körperlich je ausgehalten habe.

Ich will auf die unschönen Dinge im Krankenhaus gar nicht eingehen, denn das ist etwas, was ich ebenfalls schnellstmöglich hinter mir lassen will.
Aber scheinbar war auch das nötig. Als emphatischer Mensch kann ich mich meistens in andere reinversetzen, ich selber scheine mir aber ja wirklich völlig egal zu sein.

Und genau an dem Punkt, als ich aus dem Krankenhaus abgeholt wurde (von meinen Eltern) und in Empfang genommen wurde (von meinen Freunden) wurde mir klar, dass einiges schiefläuft. Dass mein bescheuertes Herz der Meinung war, dass man auch das kitten kann, das war mir schon klar.

Aber es gibt Dinge, die kann man nicht sofort kitten und da geht es nicht – oder zumindest nicht mehr – um Schuldzuweisungen in diesem großen Theaterstück.

Um positiv zu bleiben:
Ich ziehe einen guten Schluss daraus. Ich habe mich mit ziemlich vielen Lektüren (mehr oder weniger wertvoller Herkunft) beschäftigt und immer wieder stieß ich auf das Wort „Vergebung“.

Ich kann vergeben, sehr gut sogar. Anderen. Mir selber gegenüber bin ich ein großer Kritiker, aber wenn ich mir nicht vergebe, werde ich nicht aufhören, mir eine bessere Vergangenheit zu wünschen.
Ich wurde so oft verletzt und kann vergeben und ich, die jeden Tag mit mir auskommen muss, auf die bin ich so wütend?
So bringt es nichts, weiter zu machen. Neulich habe ich gelesen „Verzeihen ist der stärkste Liebesbeweis, den man einem Menschen entgegenbringen kann“ – warum nicht mir selber?

Und so arbeite ich mich weiter durch eine unschöne Zeit. Ich weiß, es tut grade weh. Und vielleicht auch noch morgen und vielleicht auch noch Weihnachten. Und wie ein Mantra sage ich mir: “Wären wir glücklich zusammen, dann wären wir zusammen.”

Ich für mich sehe ein Licht am Ende des Tunnels und eventuell bringt mich das Niederschreiben dieses Textes dem ein wenig näher, wer weiß.
Ich habe für all die Beziehung lange, die ganze Zeit und von Anfang an gekämpft, aber es hilft nicht, wenn das nur einer tut, also kämpfe ich weiter, nur dieses Mal für mich.

Denn Aufgeben ist für mich keine Option.

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