The crazy cat lady

Ich war immer ein Katzenmensch. Ja, ich habe Wilma und Gott weiß, ich liebe sie über alles. Aber ich bin ein Katzenmensch.

Ich liebe es, dass Katzen selbstständig sind und zum größten Teil Einzelgänger. Dass sie zum kuscheln kommen an verregneten Tagen und ansonsten mit ihrer bloßen Anwesenheit den Raum um ein mehrfaches verschönern.

So sieht die Theorie aus.

Meine Katzen sind alle vom Charakter her so unterschiedlich, man kann sie nicht verallgemeinern.

Ich habe drei Katzen. Richtig. Drei. Ich dachte immer, ich hätte zwei, aber irgendwann hat meine jüngste Katze Leia (die regelmäßig die Pille bekommt) sich gedacht, sie gebärt in meinem Kleiderschrank (süßer weise an der gleichen Stelle, wie sie selber geboren wurde) eine kleine Tochter.

Und damit begann die Diskussion. Keiner wusste, dass sie schwanger war, ich war überhaupt nicht vorbereitet, aber da lag sie auf einmal, ein kleines Tigermädchen, winzig und total fit.

Johann war an diesem Tag den ersten Tag wieder in der Schule und ich hätte diese Tasache schwer vor ihm verbergen können. Die Augen leuchteten, die Liebe war entfacht. Johann ist der absolute Katzenflüsterer und mindestens genauso verrückt auf die flauschigen Vierbeiner wie seine Mama. Zuerst habe ich verboten, dem Baby einen Namen zu geben, sie wurde liebevoll nur “der Baby” genannt. Wie süssen Fragen wie “Wo ist denn der Baby?” oder “Hat der Baby Hunger?” wurde die Katze dummerweise auf den Namen “Baby” geprägt, jetzt haben wir den Salat. Und falls jemand jetzt denkt “Ist die Frau ein bisschen dumm, es heißt nicht DER Baby, kann ich jeden beruhigen. Ja. es heißt nicht DER Baby, aber sie halt schon.

Irgendwann hatte sie die süße Phase von 6 Wochen erreicht, ich habe zu der Zeit “Stranger Things” geschaut und wir haben den Namen “Elfie” mal in den Raum geworfen und das sollte es dann auch werden.

DENKSTE.

Der Baby ist eigensinnig und stur, sie möchte weiterhin “der Baby genannt werden, sonst hört sie nämlich einfach gar nicht. Anders als sie ist ihre Mama eigensinnig und dumm, gefährliche Mischung. Aber man muss ihr zu Gute halten: Sie ist die Vorzeigemama. Kümmert sich aufopferungsvoll um das Kleine, macht alles mit, lässt sich auch einmal zu oft in ihr Öhrchen beissen und ist nie sauer.

Anders, als meine andere Katze, Rosie. Die hasst nämlich nicht nur ihre Tochter, der Hass ist um ein exponentielles gewachsen, als sie ihre Enkeltochter kennengelernt hat. Rosie war immer eine Katze wie ein Hund, ist mit mir spazieren gegangen, ist mir überall hin gefolgt hat immer in meinem Bett geschlafen – und nun ist sie die zweite Grumpycat. Sie hasst nun einfach jeden ausser mir, ich öffne ja auch schliesslich ihre Dosen.

Manchmal, wenn ich den Raum verlasse, passieren eigenartige Dinge. Neulich war ich im Schlafzimmer und habe Wäsche gefaltet, da komme ich zurück in die Küche. Leia sitzt im Waschbecken und möchte nur aus dem fliessenden Hahn trinken, das Baby holt jegliche Wollmäuse unter allen Kommoden her und Rosie stolziert wie eine Königin rein und tachtelt einfach mal jedem eine, inklusive dem Hund. “Schön”, denke ich und frage mich, ob ich hier im Krieg angekommen bin. Wilma ist ja eh zart besaitet, weint also die ganze Zeit, von irgendwo kommt ein Knurren und das Baby hat just in dem Moment das Fauchen für sich entdeckt und faucht jeden und alles an. Entspanntes Miteinander mit den Tieren, wie im Bilderbuch.

Also nehme ich wenigstens die Kleine mit ins Schlafzimmer um mal die Situation etwas zu entschärfen, die ist aber so ausser Rand und Band, dass sie erstmal die Vorhänge hochklettert um riesige Löcher zu hinterlassen. “Schön”, denke ich wieder, hab ich halt keine Vorhänge mehr.

Als das Baby geboren wurde, hatten wir ein kleines Reinlichkeitsproblem mit den dominierenden Katzen und immer, wenn die eine im Bett lag, kam die andere kurz darauf dahin und hat erstmal schön drauf gepinkelt. Ist wahrscheinlich ihr Platz gewesen, wer weiss. Ich bin mir auch nicht sicher, ob diese Katzen nicht weiterdenken, mag sein dass es ihr Plätzchen war – aber hatte sie ernsthaft vor, sich danach nochmal draufzulegen? “Schön” dachte ich, ich habe ja ne neue Waschmaschine, die kann mal zeigen was sie kann, Gott sei dank hatte ich immer noch die wasserfesten Unterlagen von Johann auf jedem Bett. Und wer liebt es nicht, immer in einem frisch bezogenen Bett zu schlafen?

Mitlerweile haben wir für all diese Probleme eine Lösung gefunden, Leia und dem Baby gehören nun das Bad (sie kann auch von dort raus) und Rosie gehört der Rest der Wohnung, der Hof und Libur und damit scheinen alle d´accord zu sein.

So verrückt meine Tiere sind, ich liebe sie alle. Jedes hat einen ganz eigenen Charakter, ist super individuell und liebenswert.

Von diesen Geschichten gibt es so viele, ich hatte schon so lustige Erlebnisse mit den Vierbeinern und würde – bis auf ein einziges – auf keins verzichten.

Tiere machen unser Leben so viel schöner, weil sie einem zeigen, dass die Liebe, die man gibt, zurückkommt – und zwar bedingungslos. Sie sind emphatisch, sensibel und superschlau und ich bin so unfassbar glücklich in der Lage zu sein, meinen vier besonderen Freunden ein zu Hause bieten zu können.

Ich wünsche und allen noch viele gesunde, glückliche und vor allem lustige Jahre <3

xoxo, Nora.

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Was man braucht

Es ist doch wirklich verrückt, dass die Menschen, die schlecht für einen sind, meist am längstem im Kopf herumspuken. Warum ist das eigentlich so? Wofür will man sich immer und immer wieder bestrafen, wenn man darüber nachdenkt? Reichte der Schmerz denn nicht, den man fühlte, als es passiert ist? Warum kann das Gehirn schlechte Dinge so wenig erfolgreich kompensieren?

Dabei ist das Leben einfach. Es kommen manchmal Menschen in dein Leben, die sind einfach gut. Gut, lieb, witzig, fröhlich, hilfsbereit. Und man sitzt da und denkt sich “Wo ist denn jetzt der Haken?”

Warum kommt es eigentlich zu diesem Gedanken? Ist das Schlechte, was wir erfahren haben, so groß, dass unsere Erwartungshaltung so niedrig ist? Wie traurig ist das eigentlich?

Denn, wenn man ehrlich ist: Es gibt immer Haken. Aber wie wir diese behandeln, das liegt in unserem Ermessen. Wer sagt denn, dass ein Haken nichts sein kann, woran man sich festhalten kann? Oder seinen eigenen dranzuhängen?

Man braucht diesen Menschen, der nicht Sonnenschein ins Leben bringt sondern mit dem es einem nichts ausmacht, wenn es regnet. Der Leichtigkeit in schwere Tage bringt und in den richtigen Momenten das Falsche sagt, damit man irgendwann zusammen darüber lachen kann. Dem man alles anvertrauen kann, sowieso alles sagen kann, weil es besser ist, dass der andere es auch weiss. Dem man niemals peinlich ist und der mit Stolz sagen: “Da, diese Verrückte, die gehört zu mir.” Bei dem es auch einfach gar nichts ausmacht, dass man verrückt ist oder depressiv, denn das wird einfach angenommen, “Alles klar, da bist du, du bist verrückt? Komm, ist egal. Normal kann doch jeder.”

Man braucht diesen einen, bei dem man nachts anrufen kann und der einfach zuhört, wenn man Angst hat und Panik und wenn alles zu viel ist. Der einfach mal fragt, ganz nebenbei, wie es einem geht und man selber merkt, dass das eigene Herz ganz warm wird, weil man merkt, dass es grade nur um einen selber geht, dass da jemand ist, der sich sorgt und der sich wirklich und ernsthafte Gedanken darüber macht, was bei einem los ist.

Man braucht jemandem, bei dem man um gar nichts kämpfen muss. Dem man alles mit Leichtigkeit gibt, einfach, weil man alles gerne macht. Und weil es auch einfach viel besser ist, wenn ich beide freuen, denn das kommt in der heutigen Zeit einfach viel zu kurz.

Der eine der den ganzen Schmerz sieht, dem das aber nichts ausmacht, der nicht wegläuft, weil es mal blöd ist, sondern sich einfach neben einen setzt und wartet bis es besser wird. Weil es wird besser. Es wird immer besser. Und dann ist es richtig gut und man ist froh, dass man auch mal ne Durststrecke überwunden hat.

Man braucht den einen, mit dem man nachts lacht, weil – ganz ehrlich – lachen ist tausend mal besser als schlafen. Mit dem man lieber ein virtuelles Gespräch führt und dabei so ziemlich jeden Film verpasst, was aber egal ist, denn eigentlich ist kein Film grade so schön wie das eigene Leben.

Mit dem Gewitter und Sterne schauen und Regen zuhören zum Erlebnis wird, mit dem man einfach sowieso mal wieder was fühlen kann, weil so lange hat man alle möglichen Gefühle einfach in irgendwelchen Schubladen gesteckt um irgendwie zu überleben.

Bei dem das kleine Gefühl “Vertrauen” auf einmal da ist, ganz plötzlich steht es in einer Ecke im Raum, ein lang nicht gesehener Gast, von dem man gar nicht mehr dachte, ihn jemals wieder zu treffen.
Den Menschen, den du nicht verändern willst, weil damit würdest du nichts besser machen, denn es ist genau richtig, wie es grade ist.

Eigentlich braucht man nur jemandem, der deine Anwesenheit genauso schätzt wie du seine.

Das ist alles.

So einfach.

nora.

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Die 4. Quarantäne und was Corona mit uns gemacht hat

Die Inzidezzahlen fallen und fallen, die Gastronomie öffnet, die Schwimmbäder auch und das Wetter ist einfach traumhaft.

Und was machen wir? Wir sitzen mal wieder fest.

Johann war letzten Montag das erste mal seit langer Zeit im Präsenzunterricht und abends ereilte uns die Nachricht, dass ein Kind in der Pool-Testung positiv ist.

Also mussten am nächsten Tag noch einmal alle Kinder zum Test und siehe da: Die Quarantäne wurde für 14 Tage ausgesprochen.

Es ist nicht so, dass das mein Leben dadurch großartige Änderungen mit sich zöge, ich bin arbeite eh noch im Homeoffice, meinem Sohn allerdings nimmt das mal wieder zwei schöne Wochen des Sommers weg, auf den er so lange gewartet hat.

Am Anfang der Corona-Pandemie hat wohl niemand (also ich auf keinen Fall) gedacht, dass sich alles so entwickelt. Der erste Lockdown fiel zusammen mit dem Auszug von Felix, was mir ein völlig irrationales Gefühl gegeben hätte, diese beiden Dingen würden zusammengehören.

Das Leben, was wir bis heute seit diesem Zeitpunkt leben hat nichts mit irgendwas zu tun, was ich kenne und ich habe lange gebraucht, einigermaßen Fuß zu fassen und an manchen Tagen kämpfe ich immer noch mit diesem Gefühl, vor allem an den Tagen, wenn Johann bei seinem Vater ist.

Wenn es für mich schon so schlimm ist, wie schlimm muss es für einen Siebenjährigen sein, der über ein Jahr ans Haus gefesselt war?

Unserer Bindung hat Corona gut getan, keine Frage. Johann und ich gehen uns sehr selten auf die Nerven und können uns auch sehr gut in Ruhe lassen. Er spielt gerne Lego, malt (nicht mehr so viel wie am Anfang), kocht mit mir, hilft gerne und viel im Haushalt und ich könnte sagen, wir haben uns sehr gut gefunden in dieser eigenartigen Situation.

Und dann gab es die letzten zwei Wochen, in denen er raus durfte, er war mit seinem Freund oft und viel Fahrrad fahren, oft auf dem Spielplatz und hat sich abends noch ein Eis am Eiswagen geholt. Ich habe richtig gemerkt, wie selbstbewusst er wurde, wie glücklich er abends ins Bett ging und nun das: Wieder Quarantäne. Die Tränen flossen in Bächen und ich verstehe, dass er verdammt noch mal keine Lust mehr hat.

Dazu komme ich, die vor mehreren Wochen eine Therapie angefangen hat (denn weder Corona noch die letzte, komplizierte Beziehung gingen spurlos an mir vorbei) und ich dachte nicht, dass so etwas so anstrengend ist.
Aber natürlich ist es das. Alles, was man emotional in Schubladen gepackt hat wird berührt und man muss sich wieder damit beschäftigen, was zur Folge hat, dass ich öfters, einen Tag nach der Therapie meinen Gedanken nachhänge und Dinge in meinem Kopf sortiere.

Ich mache daraus kein Geheimnis und erkläre meinem Sohn, was los ist und er hat Verständnis und trotzdem hat man immer mal wieder das Gefühl, als Mutter in dieser Zeit zu versagen. Aber: Wie sollte man nicht versagen? Auch wir Mütter sind Menschen und haben Gefühle und Bedürfnisse, das sage ich mir immer wieder, so schwer es mir selber fällt.

Vielleicht ist das auch alles Jammern auf hohem Niveau, denn ich habe genug Geld für Essen, wir wohnen hier nicht alleine und haben immer noch einen Aussenbereich, der genutzt werden kann, allerdings möchte auch ich langsam mal wieder das Leben genießen, nette Leute kennenlernen, essen gehen, ausgehen und einfach mal ein wenig erleben.

Und so hoffe ich für uns, dass das nun die letzte Quarantäne war, ich hoffe, das Leben wird ab jetzt ein wenig einfacher und erträglicher, ich hoffe, dass mein Sohn einen tollen Sommer verbringen kann, wenn er schon nicht in den Urlaub fährt. Ich hoffe auf viele Abende mit Sonnenuntergang auf dem Feld mit einer Limo und einem glücklichen Kind. Ich hoffe auf lange Fahrradtouren und Nächte mit dem Teleskop, in denen es warm ist und ich kann nichts anderes sagen als: Ich hoffe nicht nur darauf, der naive Teil in mir freut sich schon darauf wie ein kleines Kind.

Bis dahin versuchen wir das Beste aus allem zu machen.

Xoxo, Nora.

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