Mein kleiner J.,

letzte Woche hast du mir einen ganz schönen Schrecken eingejagt.
Kurz nachdem ich den letzten Brief für dich geschrieben habe, habe ich eine Blutung bekommen. Ich konnte das gar nicht fassen und bin natürlich direkt mit dir zum Arzt gegangen.
Auf dem Weg dorthin habe ich gebetet, die ganze Zeit, dass mit dir nichts passiert.

Wir beide hatten uns doch gerade aneinander gewöhnt und ich hatte solche Angst, dass dir etwas passieren könnte.
Tränenüberströmt habe ich dann der Ärztin erzählt, dass bei der Feindiagnostik mit dir noch alles in Ordnung war und dann hat sie mich auch beruhigt und nach dir geschaut. Du hast mir fröhlich zugewunken und ich konnte es fast kaum glauben.

Als der Papa mich dann von der Praxis abgeholt hat, war er auch ganz schön erleichtert. Mensch, haben wir uns Sorgen um dich gemacht!

Dann waren wir beide ja die ganze Woche zu Hause und haben es uns so richtig gemütlich gemacht. Du wirst immer kräftiger und wenn es dir nachts nicht passt, wie ich schlafe, dann zeigst du mir das. Das darfst du auch, ich bin dir auf keinen Fall böse. Im Gegenteil, ich genieße jede Bewegung und freue mich immer, von dir zu hören.

Als wir beide zu Hause waren haben wir viel gebastelt und genäht und auch ein bisschen aufgeräumt. Deine Mama fühlt sich auf jeden Fall gerade daheim sehr wohl und verlässt bei dem Üselwetter nur zum arbeiten das Haus.

Ja, kleiner J.. Nun sind es noch 16 Wochen bis zu bei uns bist und wir müssen uns mal langsam anfangen, um alles zu kümmern. Ich mache mal eine To-Do-Liste, die ich so liebe und dein Papa so hasst und dann schauen wir mal, was wir zuerst machen müssen.

Mir war das bis dahin nicht bewusst, was es bedeutet, deine Mama zu werden. Ich dachte, das ist alles ganz unkompliziert, aber ich merke, dass man sich um ganz schön viel kümmern muss und vor allem, sich um ganz schön viel sorgt.
Ich dachte auch, dass man diese Muttergefühle, die so überwältigend sind, erst nach der Geburt bekommen, aber diese Sorge letzte Woche war einfach so unvorstellbar groß, so etwas habe ich noch nie gespürt.

Mein kleiner Mann, du lässt mich jetzt schon über mich hinauswachsen und ich habe dich jetzt schon in mein Herz geschlossen. Ich habe auch vorletzte Nacht das erste mal von dir geträumt. Du warst so süß und so lieb und vor allem: ganz gesund. Du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr ich mich im Traum über dich gefreut habe.

Ich hoffe von ganzem Herzen, dass du es gesund und munter zu uns schaffst und dass es keine Komplikationen mehr in der Schwangerschaft geben wird. Weil, wenn du mich kennenlernst, wirst du eines merken: Deine Mama ist ein ganz schönes Nervenbündel – deshalb wünsche ich mir, dass du ganz ganz viel von deinem Papa bekommst. Der ist nämlich unser Fels in der Brandung. Immer und zu jeder Zeit.

Mein kleiner J., ich denke an dich. Jede Sekunde an jedem Tag.

Deine Mama.

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