Und dann war da der Freitag, als wir im Indoorspielplatz waren

Ich denke mir, dass sich bei dem Thema, was ich nun anschneide, die Geister scheiden, aber so ist es bei Erziehung. Ich kann mir ein paar Kommentare jetzt schon vorstellen und warum das eigentlich nicht so ist, wie ich sage. Aber ich möchte dazu auch vorwegnehmen: Ich sehe das so, es ist meine persönliche Meinung. Keiner sollte sich angegriffen fühlen.

Am Freitag war ich mit meiner Freundin im Indoorspielplatz. Johann liebt Indoorspielplätze und wenn ich ehrlich bin, ich auch. Ich mag die Cappuccinos aus dem Vollautomaten, ich mag die gigantomanisch großen aufblasbaren Hüpfburgen und ich mag es, andere Menschen zu beobachten.

Soweit so gut.

Wir haben uns hingesetzt, die Kinder sind spielen gegangen, hatten Spaß und wir haben uns einen Cappuccino aus dem Vollautomaten geholt. Irgendwann musste Johann auf Toilette und ich bin mit ihm mitgegangen und habe ihn im Badezimmer gefragt, wie er es denn finden würde. Er sagte: „Super ist es hier, aber die anderen Jungen ärgern mich alle. Einer hat mich geschupst, einer hat mich immer wieder abgeschossen an der Ballmaschine und einer hat mir gegen das Bein getreten. Mit voller Absicht.“ Dabei schaute er mich völlig fassungslos an. Es war diese Fassungslosigkeit, die ich immer wieder an ihm sehe, wenn ihm von anderen Kindern weh getan wird.

Und dann ist das passiert, was ich viereinhalb Jahre gekonnt ignoriert habe: In mir regte sich die Helikopter-Mama.

Ich habe mich zusammengerissen und ihn wieder spielen geschickt mit der Aussage, dass er immer wieder kommen kann, selbstverständlich.

Dann habe ich mich zu meiner Freundin gesetzt und wir haben darüber geredet. Ich habe ihr ganz ehrlich gesagt, dass ich weiß, dass Johann noch keine körperlichen Konflikte lösen muss, weil er in einer sehr kleinen, sehr harmonischen Gruppe im Kindergarten ist. Natürlich gibt es da auch immer mal wieder Rangeleien, aber der Unterschied ist: Er ist einer der Größten und muss sich nicht profilieren.

Johann ist ein sehr friedliebendes Kind. Er hat das, was ich an Kindern so sehr bewundere: er hat keinerlei bösen Absichten, oder bösen Gefühle oder Gedanken. Er ist so klar in dem, was andere Menschen verletzt und macht sowas nicht mit Absicht.

Meine Freundin sagte zu mir, dass es eines Tages ein Problem darstellen könnte, dass er in dieser Blase groß wird und was soll ich sagen: Ich denke das auch.

Nicht, weil ich denke, er ist nicht körperlich bereit, Konflikte zu lösen, sondern weil wir ihm beibringen, dass man nicht schlägt, schubst, beißt, kratzt, lügt oder Gewalt anwenden muss um durchs Leben zu kommen.

Und dann habe ich meiner Freundin gesagt, dass es einfacher wäre mit einem guten Gefühl in die Zukunft zu schauen, wenn andere Eltern ihre Kinder nicht zu Arschlöchern (ups, ich hoffe, dass hier keine Kinder mitlesen) erziehen würden.
Nach einem kurzen Schockmoment, denn scheinbar halte ich mich bei diesen Themen sonst zurück, hat sie mir aber beigepflichtet.

Diese Eltern kennen doch ihre Kinder – sie sind dabei uns sehen, dass sie gemein zu anderen sind. Finden sie das ok? Denken sie, nur weil sie Jungs haben, ist Gewalt ok? Oder erstrebenswert? Denken sie, dass echte Männer sich schon im Kindesalter scheiße verhalten müssen um zu richtigen Kerlen heranzuwachsen? Das ist nicht meine Meinung.
ich erziehe mir kein Weichei, wenn ich ihm erkläre, dass Worte viel stärker sind als es Fäuste je sein könnten und dass man niemanden weh tun muss um sich selber besser zu fühlen.

Aus meiner Schulzeit weiß ich, dass die Kinder, die anderen mobben meist viel größere Probleme haben. Ich bin nicht Jesper Juul, aber ich könnte mir vorstellen, dass in 95% die Eltern das Problem sind. (wer Lust hat, mehr über das Thema zu sehen, der Film „a girl like her“ hatte mich damals sehr bewegt).

Ich meine…wie schön wäre es, wenn ich mit gutem Gewissen mein Kind auf die Grundschule schicken kann, ohne dabei Angst zu haben, dass es immer einen gibt, der es tyrannisieren wird, einen, der ihn grundlos verprügeln wird weil er persönlich irgendeinen ungelösten Konflikt mit sich herumträgt? Wenn ich mit gutem Gewissen zu meinem Sohn sagen kann: Ja, es wird toll in der Schule, du wirst den Spaß deines Lebens haben, du wirst Freunde finden und du wirst wirklich tolle 9 oder 11 Jahre haben. Keiner wird dich unter Druck setzten, keiner wird dir ohne Grund deine Sachen wegnehmen oder dich auslachen oder dich fertig machen, obwohl es keinen Grund dafür gibt.

Und ja, hier ist sie: Die Helikopter-Mama in mir, die möchte, dass ihr Kind in seiner Kindheit nicht leiden muss unter anderen. Denn wir versuchen alles, aus ihm einen vernünftigen, ehrlichen Menschen zu machen – und aus eigener Erfahrung muss ich sagen: Das ist kein Teufelswerk.

xoxo, nora.

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2 Responses to "Und dann war da der Freitag, als wir im Indoorspielplatz waren"

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