Baby J.´s Geburt

Heute ist der erste Tag, an dem ich wieder zu Hause bin – sagen wir mal…genau seit 2 Stunden.

Die letzten Tage waren vor allem eines: aufregend. Ob gut oder schlecht aufregend? Es hält sich die Waage aber am Ende überwiegt in diesem Falle natürlich das Positive.

Nun erzähle ich also hier meine Geburtsgeschichte. Die so gar nicht war, wie ich es mir auch nur annähernd vorgestellt habe – aber welche ist das schon?

Alles fing am Montag morgen mit Halsweh an. Totalem Halsweh und Schnupfen.
Ganz toll, dachte ich, einen Tag vor meinem Entbindungstermin krank? Wow, das kann nur mir passieren.

Um 12 hatte ich dann meine erste Wehe. Wie ich das beschreiben soll? Süß. Ein kleines Zwicken im Bauch. Dann regelmäßig alle 7 Minuten leichtes süßes Zwicken.

Um ca. halb 3 habe ich dann meine Schwägerin angerufen, weil mittlerweile die Wehen schon alle 4 Minuten kamen, aber wirklich nur ganz ganz leicht. Ich dachte, das kann nicht der Schmerz sein, von dem alle immer reden.

Meine Schwägerin hat mit mir dann eine Stunde telefoniert und sagte, wenn ich noch so locker am Telefon klingen würde, wären das auch sicher keine Geburtswehen. Ich sollte mal in die Badewanne gehen, bleiben sie, kann ich mal ins Krankenhaus, gehen sie weg, war es ein Fehlalarm.

Ich habe also Felix Bescheid gegeben, er ist dann gleich von der Arbeit gekommen, wer weiß was eine Badewanne mit dem Kreislauf im 10. Monat alles so anstellt und ich ab in die Badewanne. In der Zwischenzeit haben wir noch Besuch von Michi bekommen und die Jungs haben Kaffee getrunken, während ich in der Badewanne etwas stärkere Wehen bekam.

Also – und damit auch wirklich alles toll ist, wenn wir heimkommen, sollte Felix noch schnell die Wohnung saugen und ich habe mich angezogen und den Rest in die Kliniktasche eingepackt – voll relaxed. Wir reden hier von Wehen, die im 3 Minutentakt kamen. Aber in meinem Kopf war es Fehlalarm und ich wollte auf keinen Fall enttäuscht sein, wenn sie mich wieder heimschicken würden.

Mitten in der Rushhour sind wir dann auf die Aachener Straße Richtung Krankenhaus gefahren. Und jedes Mal, wenn ich dachte, meine Wehen wären jetzt nun doch vorbei, mussten wir an einer roten Ampel halten und ich bekam wieder eine.
Mit Lachkrämpfen ging es ins Krankenhaus, ich war wirklich guter Dinge.

Wie schnell sich das ändern sollte, das wußte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Im Kreißsaal angekommen wurden wir sehr herzlich empfangen und ans CTG gehängt. Mein Wehenschreiber hatte ganz schön starke Wehen auf dem Schirm und sie wurden auch immer schlimmer. Von dem niedlichen Zwicken war nichts mehr über und diese schmerzhaften Wehen kamen mittlerweile alle 2 Minuten.
Dann sollte ich untersucht werden…“Wie es denn aussähe“. Ich habe mit der Antwort, die mir die Hebamme gegeben habe, schon fast gerechnet: Gebärmutterhals noch nicht verstrichen, Muttermund zu.

Toll. Ich war total frustriert und dann kam mir die schlimme Frage: „Wie lange kann ich diese Schmerzen denn aushalten?“ Die Hebamme sagte mir, im schlimmsten Falle könnte ich drei Tage in den Wehen liegen, aber so wie das bei mir aussieht, gibt sie mir nun was gegen die Schmerzen und ich könnte heim.

Ok. meine Frustration stieg ins Unermessliche.
Nach 10 Minuten kam die Hebamme wieder und fragte mich, ob ich genug gegessen und getrunken hätte. Getrunken ja, gegessen habe ich an diesem Tag vor Aufregung fast gar nichts.
Sie sagte mir darauf hin, dass es meinem Baby nicht so gut gehen würde, es sähe etwas schlapp auf dem CTG aus. Also sollte mir ein Zugang gelegt werden und ich sollte Glukose bekommen. Gesagt, getan.

Um das Warten zu versüßen, durften wir nun zum Ultraschall gehen – Baby ausmessen.
Das Baby sollte 3500 Gramm wiegen und machte einen sehr guten Eindruck. Die Nabelschnurdurchblutung war auch super. Alles kein Grund zur Sorge.

Zurück im Kreißsaal wurden die Wehen einfach nur unerträglich. Wir waren mittlerweile ca. 2 Stunden und 20 Minuten da. Es war ca. 20.00h.
Auf einmal veränderte das sonst so beruhigende Geräusch aus dem CTG mit den Herztönen meines Sohnes. Die Herztöne wurden ganz langsam und setzten teilweise aus.

Die Tür ging auf und die Hebamme kam mit einer weiteren Hebamme und vier Ärzten in den Raum. Alle wirkten ganz ruhig, aber ich dachte schon, es stimmt was nicht.
Einer der Ärzte sagte mir, er würde mir jetzt etwas spritzen und ich werde davon Herzrasen bekommen. Und oh ja, so war es. Ich bekam Herzrasen und mir war etwas schwarz vor Augen.
Dann sagte der Arzt: „Das Kind kommt nicht mehr. Notkaiserschnitt.“

Die Panik bei mir hielt sich in Grenzen. Ich habe den Ärzten schon vertraut, obwohl sie mir nicht sagen konnte, dass mein Kind es überleben würde.

Alle haben mich ausgezogen und ich wurde auf einem OP-Stuhl in einen anderen Raum gefahren, in dem es unglaublich kalt war (oder das war eines der tausend Medikamente, die ich bekommen habe). Arme und Beine wurden mir festgebunden und ich wurde mehrfach mit Jod übergossen – es gab keine Zeit für sterile Vorbereitungen.
Dann wurde noch Desinfektionsmittel über mich geschüttet und damit wurde mir dann entweder der Blasenkatheter gelegt oder die Fruchtblase gesprengt – ich konnte es nicht zuordnen.
Dann kam ein grünes Tuch über mich und ich wurde mit Gas betäubt. Gott sei Dank. Diese Kälte und die Angst war unerträglich.

Nach ca. einer Stunde wachte ich aus einem wunderschönen Traum aus und wurde wieder in den Kreißsaal gefahren. Der Arzt erzählte mir auf dem Weg, dass es dem Baby gut gehen würde. Ich war so durcheinander, dass ich gar nicht zuordnen könnte, dass ich gerade eine Geburt hinter mir hatte.

Im Zimmer saß Felix da mit einem kleinen Bündel auf dem Arm: Mein Sohn!

Er legte ihn mir gleich ins Bett aber ich musste ihm sofort sagen, dass ich ihn da nicht haben könnte, ich wollte ihn erst einmal aus der Ferne anschauen – ich stand total unter Schock.

Dann kam der Arzt und erklärte mir, was passiert sei. Mein Sohn hatte (wahrscheinlich, ganz genau wissen sie es nicht) keine ausreichende Versorgung durch die Plazenta mehr. Er hatte Stress im Bauch, das Fruchtwasser war grün, das heißt, er hatte schon Stuhlgang im Mutterleib, was für Babies in äussersten Stresssituationen nicht ungewöhnlich sei.
Felix meinte, er war ganz graublau, als er ihm gegeben wurde und so langsam, nach einer Stunde hatte er die hübsche Farbe, mit der er mir unter die Augen trat.

Alle kamen in den Raum und gratulierten mir – auch meine Eltern. Ich konnte das alles nicht fassen, weil mir ja die Stunde so vorkam wie eine nicht einschätzbare Einheit an Zeit. Eigenartig für mich also, dass meine Eltern „schon“ da seien.
Felix sagte mir später, ich brauchte ca. 1 Stunde nach der Vollnarkose.

Was die Hauptsache war: Mutter und Kind geht es gut.
Aber richtig verdaut haben wir die ganze Sache noch nicht.
Ich denke oft darüber nach, welch großes Glück ich hatte, am Wehenschreiber gehangen zu haben, als der Vorfall passierte. Es waren 1000 Kleinigkeiten, die dafür zuständig sind, dass mein Sohn heute lebt.

Aber darüber vielleicht mehr ein anderes mal.

Nun freuen wir uns erst einmal über die Geburt unseres Sohnes.

Johann Robert Schwarz.
Geboren am 27.05.2013 um 20.11h. 3570 Gramm schwer, 50 cm groß.

Wir sind überwältigt und beide total verliebt. Er ist aber auch ein süßes Baby und sieht die meiste Zeit aus wie ein kleiner Maulwurf. Er ist perfekt. Einfach nur perfekt. Es gibt keine Worte für dieses Gefühl.

Aber auch dazu später mehr. Ich genieße jetzt den ersten Abend zu dritt mit meinen beiden Männern.

XOXO, Nora.

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