Lieber J.,

deine Mama hat dir schon so lange keinen Brief mehr geschrieben. Und viele kann sie auch gar nicht mehr schreiben.

Du bist jetzt schon fast 10 Monate immer mein ständiger Begleiter und so langsam merke ich, dass dir dein altes zu Hause etwas zu klein wird. Und, oh ja, mir auch langsam. Immer wenn ich auf meinen Bauch schaue kann ich ein kleines Füßchen oder deinen ausgestreckten Popo sehen. Ist das wirklich noch bequem?

Laut Frauenärztin, die das CTG ganz bewundernd anstarrte, ja. Sie sagte, die fühlst dich pudelwohl bei mir. Das freut mich wirklich zu hören. Sie sagte aber auch, dass du dich langsam auf den Weg machen wirst, zumindest seist du schon in eindeutiger Startposition.
Sie hat sich auch gewundert, warum ich noch so einen zufriedenen Eindruck mache, die meisten Frauen seien in diesem Stadium total angenervt von den Riesenbäuchen und ihren Schwangerschaften. Da ich aber nicht weiß, ob wir noch einen kleinen Zwerg bekommen werden, genieße ich jede Sekunde dieser Schwangerschaft, wer weiß ob diese Zeit noch einmal kommt und selbst wenn sie kommen sollte, ob der nächste Zwerg auch so unkompliziert ist wie du, mein kleiner Mann.

Das heißt aber nicht, dass du nicht rauskommen sollst, lieber J.. Mama und Papa haben es dir schon ganz schön eingerichtet und alle deine Onkel und Tanten sind schon so gespannt auf dich!!!
Und die Oma erst! Die ruft jeden Tag an und fragt, ob es losgeht, die ist vielleicht aufgeregt!
Oma und Opa haben dir übrigens eine kleine Hunderassel und ein Kirschkernkissen geschenkt, was so süß ist, das ich es gerne auch in groß hätte. Du wirst dich sicher auch freuen.

Wie du merkst ist alles bereit für deine Ankunft. Die Kliniktasche ist endlich gepackt (ich hoffe ja, dass wir nur deine Sachen brauchen werden, die Mama will ja sofort mit dir heimgehen), dein Bettchen ist fertig (ja, die erste Woche darfst du bei mir schlafen, aber nicht, dass das zur Gewohnheit wird!), deine Wickelkommode ist voll mit Windeln und Anziehsachen und dein Kinderwagen hat nun sogar ein Sonnensegel um die nicht anwesende Sonne noch weiter abzuhalten.
Und ausserdem freut sich dein Papa schon auf seine drei Wochen Papa-Urlaub, in dem er dich ganz genau kennenlernen kann.

Ich verrate dir ein Geheimnis, kleiner Mann. Heute ist der 17. Mai und der Tag, an dem ich die ganze Schwangerschaft dachte, du würdest kommen (so sicher, wie ich wußte, dass du ein kleiner Mann wirst). Aber entweder schläfst du oder du schmust noch ein bisschen mit meinen Rippen. Also auf jeden Fall sieht es nicht so aus, als hättest du auch nur die geringste Lust, dich auf den Weg zu machen.

Nun ja. Vielleicht warten wir einfach noch ein wenig. So kann ich heute Abend noch auf eine kleine Veranstaltung gehen – auch wenn mir nun fast gar keine Klamotten mehr passen. Das ist egal, das ist nun einfach so. Es wird nicht geschimpft, sondern die letzten freien Minuten, Stunden und Tage mit deinem Papa alleine genossen.

Du wirst schon wissen, was das Beste für dich ist. Und was das Beste für dich ist, ist auch das Beste für mich.

Ich denke an dich, mein Sohn. Jede Sekunde an jedem Tag.

Deine Mama.

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6 Responses to "Lieber J.,"

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