Zwei Jahre und ein paar Tage

Am ersten März hatte ich ein Jubiläum, nicht das Schönste, allerdings lebe ich zwei Jahre nun ganz alleine.

Na gut, wie man es sieht, ich habe einen kleinen Mitbewohner und vier Fellfreunde.

In diesen zwei Jahren ist gar nicht so viel passiert, es war schließlich Corona, allerdings habe ich ein paar Sachen herausgefunden.

  1. Ich muss streichen und das ist für mich eine unlösbare Aufgabe, weil ich keine Lust habe, alles von den Wänden zu nehmen
  2. Die besten Parties finden immer in meiner Küche statt
  3. Ich liebe die Freiheit, meine Wohnung so einzurichten, wie ich es mag und wenn mich jemand fragt, ob man wirklich eine Popcornmaschine braucht, wird meine Antwort immer „JA!“ sein
  4. Immer zu kochen, was man will, ist ziemlich großartig
  5. Ins Bett gehen zu können ohne schlechtes Gewissen, macht mich sehr glücklich
  6. Pizza im Bett ist mein Lieblings-Szenario
  7. Ich hasse mein neues Sofa (deshalb gibts wahrscheinlich Punkt 6)
  8. Home-Office war schön, allerdings finde ich die Tatsache, dass mein Arbeitsplatz zu Hause was mit meiner tatsächlichen Arbeit zu tun hat, ziemlich bescheiden
  9. Ich müsste ein paar Dinge dringend reparieren, aber ich bewundere die Tatsache, dass ich mich jeden Tag über was ärgern kann ohne es zu ändern, schon auf eine sehr eigenartige Art und Weise
  10. Ich bewundere ebenfalls die Tatsache, dass ein Kind, ein Hund und drei Katzen deine komplette Wohnung in ein Haar- und Schmutzparadies verwandeln können in weniger als zehn Minuten
  11. Ich bin allgemeiner entspannter geworden beim Thema Unordnung, da ich sie selber verursache
  12. Und das ist der komischste Punkt: Ich kann jetzt alleine sein

Auf den letzten Punkt gehe ich hier mal näher ein. Es geht um das Thema „Alleinsein“. Natürlich wohne ich größtenteils mit meinem Sohn zusammen, allerdings genieße ich das Alleinsein, wenn er nicht da ist endlich. Am Anfang waren für mich die schlimmsten 8 Tage im Monat diese, wenn er nicht da war.

Mitlerweile genieße ich das ohne schlechtes Gewissen, denn tatsächlich kann man mit offener Tür duschen, leichtbekleidet schlafen, stundenlang im Bett liegen und TikTok-Videos schauen, sich verabredet mit wem und wann man will. Man hat keine feste Essenszeiten und es ist wohl eventuell schon passiert, dass ich nachts um 2.00h ein Steak mit Kartoffeln verspeist habe, weil ich einfach Lust drauf hatte.

Letztes Jahr hatte ich einige Zeit eine Bekanntschaft, die öfters mal über Nacht blieb – was soll ich sagen… Vielleicht war ich nicht so weit. Vielleicht – und das ist der wahrscheinlichere Grund, war er einfach nicht der Richtige.
Ich habe mich eigentlich nur ständig aufgeregt, dass alles in meiner Wohnung kommentiert wurde, sei es mein Kopfkissen, was nicht gemütlich war (Ehm, Entschuldigung, mein Bett ist das gemütlichste auf diesem Planeten und keins meiner Kopfkissen hat eine Beleidigung nötig), meine Kaffeemaschine, dessen Flehen nach Entkalkung ich schon auch mal liebevoll überhöre und einfach alles andere auch.
Puh, das war ganz schön crazy und hat mich an den Rand meiner Verzweiflung gebracht. Ich dachte dann wirklich mehrere Monate, dass ich eventuell nie wieder mit wem zusammenleben kann.

Von diesem Gedanken bin ich auf jeden Fall nun sehr weit entfernt, Gott sei Dank.

Aber ja, man lernt das Alleinsein auf sehr unterschiedliche Weise und am Anfang ist es mir wahnsinnig schwer gefallen.

Vielleicht auch, weil ich endlich verstanden habe, dass es einfach meine Entscheidung war, alleine zu sein. Auch wenn damals die Sterne anders standen und ich jemanden schnell an meiner Seite hatte, war das ja nicht von langer Dauer und das, was ich damals hätte lernen sollen, ist wie eine Lawine über mich eingebrochen.

Denn wenn man nicht alleine sein will, dann ist alleine sein richtig scheisse.

Ich weiß noch, wie viele Abende ich auf dem Sofa saß, was ich so hasse, mir Bridget Jones in Dauerschleife ansah und nur geheult habe. Wegen meiner Frustration, nicht des Sofas, versteht sich. War nicht schön, musste aber sein.

Denn die letzten zwei Jahre, eine intensive Therapie und ein Haufen beschissener Tinder-Dates haben mich zu dem Menschen gemacht, der ich nun bin, ein bisschen weird, ein bisschen verrückt (man kann das bisschen wegen mir auch weglassen) und jemand, der Alleinsein zu schätzen gelernt hat. Und der heute Abend sich selber sagt, dass Johanns Lieblingsessen sicher „Knusperdinosaurier mit Erbsen & Möhrchen“ ist, weil ich da schon seit Tagen Bock drauf habe.

Und trotzdem gibt es am Ende des Tages diese eine Stimme, die sich fragt, ob ich diesen Text schreibe, um nicht nur die Welt da draussen sondern vor allem mich selbst zu davon überzeugen möchte, dass Alleinsein richtig toll ist? Und warum ich dann doch Filme mit Happy-End am Schönsten finde?

xoxo, Nora.

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