Zwei Kinder, vier Tiere, 80 Quadratmeter

Über zwei Jahre war es hier still. Nicht etwa, weil in meinem Leben nichts passiert wäre, oh nein. Ich würde eher sagen, es ist eine ganze Menge passiert.
Und während dieser kleine Blog in einer Ecke des Internets lag und dank technischer Probleme dann irgendwann komplett in Vergessenheit geraten ist, wurde mein Leben lauter, bunter und chaotischer.

Trotz der Geburt meiner Tochter sind wir nie aus der Wohnung ausgezogen. Auch wenn sie emotional für mich irgendwie sehr vorbelastet ist, liebe ich diese Wohnung. Sie ist im Erdgeschoss, ich habe ein Bad en Suite und ich liebe den Charme des alten Bauernhofes einfach total.

Also leben wir hier mit 2 Kindern, von denen nur eins ein Kinderzimmer hat, einem Hund und drei Katzen zwischen Wäschekörben, viel zu viel Kinderkleidung und sowohl einem Arbeits- als auch Spielzimmer im Wohnzimmer.

Als mein Exmann ausgezogen ist, dachte ich, diese Wohnung wäre viel zu groß für uns: 80qm? Sind eher zu viel als völlig ausreichend.

Heute weiß ich: Platz ist keine Quadratmeterzahl, Platz bedeutet auch Ruhe. Mal alleine sein. Eine Türe hinter sich schließen können. Leider hat unsere Wohnung sehr wenige Türen, da sowohl Küche, Ess- und Wohnzimmer offen sind. Aber es bleibt die Badezimmertür. Und wahrscheinlich kennt es jede Mama: Sobald sich die Badezimmertür schließt und Mama drin ist, wird ganz leise die Türklinke heruntergedrückt und jemand flüstert: „Mama, Pipi?“ Und ich denke mir: „Nein, Aurelia, Mama macht nicht Pipi — Mama versteckt sich nur ganz kurz vor dem Sturm, der in der Wohnung tobt.“

Währenddessen höre ich sich jagende Katzen, einen Sohn, der durch die Wohnung schreit: „Mama, was gibt’s heute zu essen?“, und eine Wilma, der das alles zu viel ist und die einfach mal ein bisschen durch die Katzenklappe winseln muss, weil draussen jemand vorbeigeht.

Und während ich die kleine Füßchen wegtapsen höre, weiß ich, jetzt geht es erst richtig los und ich muss mich auf jeden Fall beeilen, wenn ich nicht will, dass meine Zimmerpflanzen mit Knorr´s Kräuterlingen gewürzt werden sollen.

Ja, es ist manchmal nicht einfach, keinen Rückzugsort zu haben und sich nun das Schlafzimmer nicht nur mit der Tochter sondern Bobo, Peppa und ihren Puppen teile – aber wenn ich ehrlich bin, ist das mein Leben und genau hier gehöre ich hin. Ich will nicht tauschen gegen ein Haus, wo man sich aus dem Weg gehen kann, wo alle Türen geschlossen sind und es still ist und es womöglich sauber wäre.

Denn ja, manchmal ist es nervig, dass überall Tierhaare und Sand herumliegen.
Irgendwann habe ich angefangen, mich selbst zu fragen, wo dieser ganze Sand eigentlich herkommt.

Kurz nach dem Saugen knuspert es schon wieder unter meinen Schuhen, als wäre in der Zwischenzeit eine Horde Kinder, die sich vorher in Sand gewälzt hat, durch die Wohnung gerannt.
Dieser Sand ist überall. In den Ecken. Unter den Socken. Sogar in der Sofaritze, wo er sich gemeinsam mit ein paar Krümeln vergnügt, die eines der Kinder – oder ich selbst – hinterlassen hat.

Überall sind kleine fettige Handabdrücke auf Hochglanzmöbeln und Fensterscheiben. Unter Aurelias Lernturm klebt irgendetwas, von dem ich lieber gar nicht genau wissen möchte, was es ist.
Und neulich habe ich einen halb gegessenen Apfel im Schrank gefunden.
Ich dachte immer, eines Tages bin ich erwachsen und dann ist meine Wohnung super ordentlich und sauber. Aber vielleicht habe ich da die Tiere und Kinder nicht eingeplant.

Manchmal weine ich, wenn der Sauger das zweite mal am Tag läuft und Aurelia denkt, sie müsse nun sichergehen, dass in der Tüte Chips, die ihr Bruder auf dem Sofa hat liegen liegen lassen auch wirklich wirklich nichts mehr drin ist. Auch kein einziger Krümel.

Nein, diese Phase ist – wie bei einigen meiner Möbel – grade keine Hochglanzphase. Das ist die wildeste, bunteste, chaotischste Phase meines Lebens und ich will weiter schmunzeln über all die kleinen, lustigen, tragischen, nervigen Momente – denn das ist das, was am Ende zählt: Das echte Leben.

xoxo, Nora.

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