Lieber Johann,

heute ist der letzte Tag des Jahres, der letzte Tag im Jahr, in dem du mein einziges Kind sein wirst und den ganzen Tag kann ich an nichts anderes als Dich denken.

Eben hast du von Deiner Oma angerufen und gesagt, du hast Heimweh und vermisst mich und ich sage Dir: mir geht es ganz genau so! Dieses Weihnachten und Silvester sind eine ruhige, schwere Zeit, vor allem schwer, weil Deine „kleine“ Schwester in meinem Bauch viel größer als gedacht ist und mir alles super schwer fällt – und Du das erste mal nicht da warst.

Dieses Jahr verzichte ich ganz bewusst auf einen Jahresrückblick, ich möchte Dir einfach nur sagen, wie sehr ich das Jahr mit Dir genossen habe, wie wichtig Du mir bist, wie wahnsinnig ich Dich liebe, mehr als alles andere auf der Welt, Du bist ein so tolles Kind und ich bin immer und immer und immer wieder erstaunt, wie viel Glück ich habe, Dich meinen Sohn nennen zu dürfen.

Dieses Jahr haben wir uns neu gefunden, als Mama-und-Sohn-Duo aber eben auch als Familie und Du machst das alles so toll. Ich weiß, Du warst nicht wirklich begeistert, noch einmal großer Bruder zu werden. Umso glücklicher bin ich, dass ich nun schon das Gefühl habe, dass Du Dich auf deine kleinste Schwester freust.

Ich verspreche Dir, Du wirst immer mein Lieblingssohn sein, Du bist etwas ganz Besonderes und die zehn Jahre, die wir alleine hatten, habe ich in vollen Zügen genossen. Diese Zeit wird uns niemals jemand wegnehmen können – denk bitte immer daran, falls Du eines Tages das Gefühl haben wirst, dass Deine kleine Schwester grade einmal mehr Aufmerksamkeit braucht.

Ich verspreche Dir, ich werde mir alle Mühe der Welt geben, Dir immer gerecht zu werden und bitte verzeih mir, wenn ich das eventuell einmal nicht schaffen werde.

Das Jahr 2023 war ein gutes Jahr. Natürlich gab es auch Tiefen, aber Johann, ich sage es Dir, diese wird es immer geben. Wenn ich Dir einen Tipp geben darf, dann, sich auf das Gute zu konzentrieren. Umgib Dich mit Menschen, die Dir gut tun und die in einem Raum voller Menschen Dich wählen, weil sie wissen, dass Du der Beste bist.
Feier das Leben jeden Tag, finde jeden Tag einen Moment, an den Du dich gerne zurückerinnerst. Das Leben ist viel zu schade, um nur das Schreckliche zu sehen. In dieser Welt gibt es so viel Schönes, Warmes, Liebenswerte, Großartiges zu entdecken und hör bitte niemals damit auf.

Du bist jetzt schon so groß, dass Du schon oft Deinen eigenen Weg gehst und ich finde das ganz großartig. Du bist freundlich, ruhig und ein wirklich toller Junge. Du machst jetzt alles schon so so richtig und ich will Dir auch gar nirgends reinreden.
Du sollst nur wissen, wenn etwas ist, egal was, rede mit mir. Ich werde Dich nicht und niemals verurteilen und ich weiß, dass wir zusammen immer eine Lösung finden werden, denn das haben wir immer.

Und so endet 2023, viel stiller als es begonnen hat, mit viel weniger Menschen als in 2022, denn wie sich bei uns beiden herausgestellt hat, ist das Leben wie eine Reise mit einem Zug und nicht alle fahren mit zum Ziel.

2024 bekommen Du und ich noch eine kleine Mitreisende, die nicht gehen wird, die bei uns bleibt und unsere kleine Familie ein kleines bisschen vergrößert.

Ich freu mich auf die Reise und ich freue mich, Dich als großen Bruder kennenlernen zu dürfen, etwas, von dem ich dachte, es sei mir nicht vergönnt.

Ich habe Dich immer zwei mal mehr lieb. Du bist das Beste, was jemals hätte passieren können.

1000000000000 Küsschen

von Deiner Mama.

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Selbstgenähte Neon-Laptoptasche

Vor nicht all zu langer Zeit hatte ich ja, wie ich berichtete, einen neuen Laptop gekauft. Im Internet habe ich verzweifelt nach schönen Taschen zum Mitnehmen gesucht, aber a) wollte ich nicht so viel ausgeben für Sachen, die mir nicht zu 100% gefallen und b) habe ich nichts Schönes gefunden, also musste ich mal wieder selber hinter die Maschine.

Ich hatte überlegt, aus welchem Stoff ich die Tasche nähe, ein wenig stabil sollte es schon sein, schmutzabweisend wäre auch nicht verkehrt. Und da sowohl mein Sohn, mein Freund als auch ich den Rechner ab und an mal mitnehmen, konnte das nun nicht Rosablümchenstoff werden.

Irgendwann habe ich dann Pinterest durchforstet und mich dazu entschlossen, den Stoff selber zu gestalten. Ich hatte noch altes Leinen und einen Haufen Farben, also nichts wie ran an die Pinsel.

Leider habe ich von der Entstehung des Stoffs oder dem Nähvorgang keine Bilder gemacht, deshalb starte ich mal ganz untypisch mit dem fertigen Resultat.

Keiner hat gesagt, das Männer keine Neon-Farben mögen.
Die Tasche ist also aus Leinen, aussen ist noch eine Tasche aus Vinyl genäht, Leinen alleine war mir einfach etwas zu unsicher.

Verschließen kann man sie mit einem Klettverschluss – natürlich auch in Neon-Farben.

Dann habe ich noch eine kleine Visitenkarten eingenäht, dank Code kann ja niemand was mit dem Rechner anfangen…und hoffe, dass im Falle eines Verlustes der ehrliche Finder sich auch meldet.

Ich bin auf jeden Fall glücklich und zufrieden mit der Tasche.

Da dann so viel Stoff über geblieben ist, habe ich mir gedacht, dass es noch nett wäre, kleine Geldbörsen zu nähen.

Auf jeden Fall hat dieses Projekt super viel Spaß gemacht, auch, weil es so viele verschiedene Materialien beinhaltet, das mag ich ja eh sehr gerne. Und weil alles einfach wahnsinnig bunt ist :)

Das war nicht das letzte mal, dass ich Stoff selber „gestaltet“ habe, ich habe auch tatsächlich schon zwei neue Projekte vor – und eventuell schaffe ich es ja wieder, diese hier zu zeigen!

xoxo, nora.

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Manchmal kommt es anders…

„Denn jetzt bin ich mit glücklich sein an der Reihe. Ich habe es verdammt nochmal verdient.
Ich arbeite wirklich hart daran, dass ich mir diese Aussage auch selber glaube.
Und vielleicht wird doch alles gut…“

So sollte der Beitrag, der eigentlich an dieser Stelle stehen sollte, enden.
Als ich den Artikel das erste Mal posten wollte, sagte Nora, ich solle noch etwas warten. Sie hatte Recht.

Als ich den Artikel ein zweites Mal posten wollte, hat sie sich geweigert. Und sie hatte schon wieder Recht.

Es war ein Beitrag darüber, wie das Licht am Ende des Tunnels erscheint, das die Welt wieder heller erscheinen lässt, das einem Hoffnung schenkt. Die Hoffnung, dass die dunklen Zeiten endlich vorbei sind und nun schönere Momente kommen, dass man endlich glücklich werden kann.
Und das war ich. Sehr glücklich sogar. So glücklich, wie ich nicht geglaubt hatte, je wieder sein zu können.

Und dann kam es anders. Ich hatte jemanden kennen gelernt. Wir haben lange geschrieben bevor wir uns das erste Mal getroffen haben. Und dann haben wir wieder lange geschrieben, bevor wir uns das zweite Mal getroffen haben. Es hat total gut gepasst. Wir haben uns super verstanden und hatten echt viel Spaß zusammen. Egal, was wir gemacht haben. Ob wir durch die Stadt gelaufen sind, von Kneipe zu Kneipe gezogen sind, oder einfach nur auf der Couch gesessen und stundenlang geredet haben.
Ich war so glücklich, dass es jeder sehen konnte. Alle haben mir gesagt, dass ich es ausstrahle. Nach und nach gab es kleine Dämpfer. Es tauchten Dinge und Personen aus der Vergangenheit auf, die teilweise auch unsere gemeinsame Gegenwart infiltriert haben. Und da kamen Stimmen, die mir sagten: “ Kathi, pass auf.“

Ich habe das auch alles gehört und gesehen, aber ich war, und bin mir immer noch, sicher, dass ich den Menschen sehe, der hinter dieser Fassade steckt. Den Menschen, der er sein kann. Wenn er nur will und alles überwindet, was ihn daran hindert. Ich habe alles abgetan mit dem Gedanken „das ist alles nicht so wild, das kriegen wir schon hin.“ Und ich hätte es hin gekriegt. Dabei habe ich aber nicht damit gerechnet, dass mein Gegenüber meine Hilfe vielleicht gar nicht haben will. Dass er nicht damit klar kommt, überhaupt Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen. Schon gar nicht von der Person, für die eigentlich er sorgen müsste. Also zog er sich immer mehr zurück. Ich habe das wohl gemerkt, habe es aber darauf geschoben, dass er Stress hat, der aber nichts mit mir zu tun haben kann. Denn ich habe ja alles getan,damit es ihm gut geht.

Bis es immer schlimmer wurde. Und irgendwann in einer riesengroßen Lüge geendet hat.
Diese Lüge ist relativ schnell aufgeflogen und mit ihr zusammen bin ich in die Luft geflogen. So wütend und fassungslos war ich in meinem ganzen Leben noch nicht.

Es gab einen sehr hässlichen, sehr lauten Streit. Irgendwann konnte er mir erklären, warum er gelogen hat. Und auch, wenn es absolut keine Rechtfertigung für so etwas gibt, konnte ich es in Teilen nachvollziehen. Verstehen ja, vergeben nicht. Denn keine Wahrheit kann so schlimm sein, wie die Lüge.
Die Lüge ist immer nur der bequeme Ausweg aus einer unbequemen Situation.
Aber auch über diese Sache wollte ich hinweg sehen.

Weil ich ihn wirklich doll geliebt habe. Und weil ich überzeugt davon war, dass wir auch diese Situation überwinden können. Ich habe einfach an unsere gemeinsame Zukunft geglaubt.

Doch dann kam ein Tag, mit dem ich im Leben nicht gerechnet habe. In einem Telefonat sagte er in einem Nebensatz, dass er im Moment wohl nicht bereit für eine Beziehung sei. Ich war sicher, mich verhört zu haben.
Aber in den folgenden Tagen kristallisierte sich immer mehr heraus, dass genau das der springende Punkt war. Denn er war und ist der festen Überzeugung, dass er erst an sich arbeiten muss, um derjenige sein zu können, der er sein muss, um der Verantwortung gerecht werden zu können, die eine Beziehung mit einem Menschen wie mir mitbringt.
Ich habe geheult, geschrien, gebettelt, versucht, zu überzeugen. Aber all das hat ihn nicht von seiner Überzeugung abgebracht.

Und irgendwann habe ich aufgegeben.
Ich bin geflohen, nach Heidelberg, wo niemand außer meiner persönlichen Therapeutin ist, der mich wirklich kennt.
Nach und nach ist mir bewusst geworden, was das alles bedeutet. All die Pläne für die nahe und fernere Zukunft haben sich in Rauch aufgelöst. Auf einmal stehe ich wieder vor dem Nichts. Die Zukunft, eben noch hell und strahlend, liegt auf einmal dunkel vor mir.
Und das Licht am Ende des Tunnels ist kaum mehr zu sehen. Auf einmal bin ich wieder einsam.

Der Vater und ich teilen uns die Kinder mittlerweile 50:50, was bedeutet, dass ich jetzt sieben Tage am Stück nichts zu tun habe. Das ist viel zu viel Zeit, die ich alleine mit mir verbringen muss.
Aber ich will sie nutzen. Ich will mir wieder eine Yoga-Klasse suchen und werde hart daran arbeiten, meine Überzeugung zu vertiefen, dass ich mich nur treiben lassen muss, um dahin zu kommen, wo das Universum mich vorgesehen hat.
Und vor allem daran, nichts zu erzwingen, zu akzeptieren, dass manche Dinge nicht sein sollen. So schrecklich das auch ist.

Aber wer weiß schon, was vorgesehen ist.
Vielleicht kommt das Licht am Ende des Tunnels schneller wieder näher, als man denkt.
Und wenn nicht, pack ich die Taschenlampe aus…

Für immer in guten Gedanken,

Kate

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